Was ist grüner Wasserstoff?
Wenn in der öffentlichen Debatte von Wasserstoff die Rede ist, fällt oft der Begriff „grüner Wasserstoff". Aber was genau bedeutet das — und warum ist die Unterscheidung so wichtig?
Die Farbenlehre des Wasserstoffs
Wasserstoff selbst ist ein farbloses Gas. Die Farben beschreiben, wie er hergestellt wird:
- Grauer Wasserstoff wird aus Erdgas durch Dampfreformierung gewonnen. Dabei entsteht CO₂ als Nebenprodukt. Das ist heute noch die häufigste Methode.
- Blauer Wasserstoff entsteht ebenfalls aus Erdgas, aber das CO₂ wird aufgefangen und gespeichert (CCS). Ob das in der Praxis zuverlässig funktioniert, ist umstritten.
- Türkiser Wasserstoff wird durch Methanpyrolyse erzeugt — dabei entsteht fester Kohlenstoff statt CO₂.
- Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser mit erneuerbarem Strom erzeugt. Kein CO₂, keine fossilen Brennstoffe.
Warum grün?
Nur grüner Wasserstoff ist wirklich klimaneutral. Er nutzt überschüssigen Wind- und Solarstrom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der Prozess ist sauber, der Rohstoff ist Wasser, und die Energie kommt aus erneuerbaren Quellen.
Die Herausforderung
Der Wirkungsgrad der Elektrolyse liegt heute bei etwa 60–70 %. Das bedeutet: Nicht die gesamte eingesetzte Energie landet im Wasserstoff. Deshalb ist es entscheidend, Wasserstoff dort einzusetzen, wo es keine effizientere Alternative gibt.
Fazit
Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement der Energiewende — aber kein Ersatz für direkte Elektrifizierung. Die Kunst liegt in der richtigen Zuordnung: Wo bringt Wasserstoff den größten Nutzen? Diese Frage zu beantworten, ist Teil meiner Arbeit als Wasserstofflotse.