Mythos Wasserstoffauto
„Warum fahren wir nicht einfach alle mit Wasserstoff?" Diese Frage höre ich bei fast jedem Vortrag. Die Antwort liegt in der Physik — genauer: in der Energieeffizienz.
Der Effizienzvergleich
Betrachten wir den Weg von erneuerbarem Strom bis zum Rad:
Batterieelektrisches Auto (BEV): Strom → Batterie → Elektromotor Gesamtwirkungsgrad: ca. 70–80 %
Brennstoffzellen-Auto (FCEV): Strom → Elektrolyse → Kompression → Transport → Brennstoffzelle → Elektromotor Gesamtwirkungsgrad: ca. 25–35 %
Wo Wasserstoff im Verkehr Sinn macht
Das bedeutet nicht, dass Wasserstoff in der Mobilität keine Rolle spielt. Im Gegenteil — aber in anderen Segmenten:
- Schwere LKW im Fernverkehr: Lange Strecken, hohe Nutzlasten, schnelle Betankung nötig
- Busse im Regionalverkehr: Wo Oberleitungen nicht wirtschaftlich sind
- Schifffahrt und Luftfahrt: Über Derivate wie Ammoniak und synthetische Kraftstoffe
Das politische Problem
Leider wird „Wasserstoff im Auto" oft als Argument benutzt, um die Elektromobilität zu verzögern. Das ist weder physikalisch noch ökonomisch sinnvoll. Beide Technologien haben ihre Berechtigung — aber in verschiedenen Anwendungsfeldern.
Fazit
Wasserstoff ist zu wertvoll und zu energieaufwendig, um ihn dort einzusetzen, wo Batterien besser funktionieren. Im PKW hat die Batterie gewonnen. Im Schwertransport, in der Schifffahrt und der Industrie liegt die Zukunft von H₂.